Leseprobe: Grenzerrolle |
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Für den ehemaligen Grenzsoldaten Joachim Wengel ist das Kapitel Militär in der DDR längst abgeschlossen. Doch als er während der ersten Montagsdemonstration in Leipzig zwischen die Fronten gerät, zwingt ihn die Stasi wieder in die alte Abhängigkeit von Befehl und Gehorsam. Aber die Stasi fordert nicht nur, sie befriedigt auch seine finstersten Bedürfnisse. Ein Zustand, an dem er schier zerbricht. Bis das ganze System außer Kontrolle gerät. Verlag: Nur über den Autor erhältlich ISBN-Nummer: 978-3-937446-92-9 Bestellung: Erhältlich als gebundene Ausgabe oder als e-book |
„Darin werden sie aber schmuck aussehen“, sagte die Verkäuferin, während sie den von Wengel ausgesuchten Anzug raschelnd in eine Papiertüte mit dem Aufdruck CENTRUM-Warenhaus packte. Wengel lächelte und sie erkundigte sich nach der glücklichen Braut. Wengel lächelte immer noch, schwieg. Er hatte entschieden, die Verkäuferin nicht darüber aufzuklären, daß dieser Anzug für die Verteidigung seiner Doktorarbeit gedacht war. Er zahlte, verabschiedete sich. Die Verkäuferin verfolgte ihn mit dem Blick einer zufriedenen Schwiegermutter, in dem unterschwellig etwas Neid über die gute Wahl ihrer Tochter mitschwingt, denn die eigene Errungenschaft ist mit den Jahren nicht mehr so galant, so dynamisch, so potent. „Sie sind Abiturient?“ vergewisserte sich Sachs. „Du bist ein Dachs, Musch“, erklärte Schütz, eine
abgesägte Haselnußrute haltend, die er mit seinem Seitengewehr grob
bearbeitete. „Alle, die hierher kommen, sind Dachse und deshalb ist es
ihnen verboten Heimgang, Reserve, Zivil zu sagen. Kontrolle ist verboten.
Das heißt nämlich Überprüfung, Dächslein. Sage niemals: Ich haue ab! So
was nimmt dir ,Horch und Guck’ übel.“ |
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